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ALEX SADKOWSKY

"Das grosse Kaninchen" 1968 momentan Landesmuseum Zürich zu sehen. >>1968

Die chinesische Wespe  Roman 3 Bände Bilger-Verlag  Zürich

neu: Die Umwandlung/Einziger Lockschrei Novelle/Poesie, pudel und pinscher/Howeg  Zürich 2018

Nestputzer 2018

...will not appear as regularly as  before due to other editing jobs.

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Kein Kahlschlag am Uetliberg (TA vom 9.10.2018)

 

Schon vor zehn Jahren und zuletzt 2015 habe ich beim Kreisförster angefragt, ob dieser einzigartige Uetlibergwald nicht besser geschützt werden könne. Als Anwohner/Nachbar verfolge ich jährlich die massiven Eingriffe in die Waldgemeinschaft. Es ist zum Heulen!
Was Lothar 2000 nicht gefällt hat, wird von den Waldnutzern umgehauen und dann liegen gelassen. Jemand behauptete, die Waldnutzung sei defizitär. Wenn das so ist, dann ist das Vorgehen von „Grün Zürich“ höchst fraglich. Gut gibt es den Verein „Pro Uetliberg“, der sich immer wieder um Eingriffe in den „Bergwald“ kümmert.

Diesen Sommer musste man um den Fortbestand vieler Bäume fürchten, einige Tannen sind regelrecht vertrocknet, verloren ihre Nadeln. Beim Spaziergang im Wald bei Temperaturen über 30° war man froh um jeden schattenspendenden Baum. Denkt denn niemand bei den Verantwortlichen an die möglichen Szenarien, die uns bevorstehen könnten? 

Nun aber zur geplanten Gross-Aktion „2100 Bäume weg“. Bei der galoppierenden Klimaerwärmung werden unsere Nachkommen froh sein um jeden Baum, der nicht gefällt wurde. Zürichs grüne Lunge darf nicht so massiv gestutzt werden. Im Bereich, in dem die Aktion stattfinden soll sind bereits in den vergangenen Jahren die Bäche „saniert“ worden. Diese sollen ja für Zürich eine Gefahr darstellen, hat man denn nicht schon dort Vorkehrungen getroffen, um dies zu verhindern? Schon da wurden Bäume abgeholzt. Der Uebereifer der „Grün Zürich“ ist wirklich nicht verständlich. Die ETH hat früher die Waldbewirtschaftung beaufsichtigt. Seit das nicht mehr der Fall ist, wird alles nur noch schlimmer. Ich schlage vor: Für jeden gefällten Baum sollten zwei neue (klimaverträgliche) gesetzt werden.  

Leserbrief TA, 15.10.2018

Politisch gesehen ist es kaum verständlich, dass eine grün-soziale Stadt-regierung ihre Mannschaft „Grün Zürich“ immer wieder über das Ziel hinaus schiessen lässt. Wie ein Mantra wird wiederholt, dass der Uetli ein Schutzwald für Zürich sei. Er selber, seine Fauna und Flora, ist aber auch schutzbedürftig. Was höher zu gewichten sei wurde nicht einmal abgeklärt.

Pikantes Detail: Die zersägten Stämme sollen nach China verkauft werden, das ist doch nicht nachhaltig, sondern unnötiger Transport und Konkurrenz für die Exporte ärmerer Länder. Warum wird das Zeug nicht lokal verwertet, z.B. zu Holzschnitzeln verarbeitet? Sodann wird gejammert über schädliches „Totholz“: warum wird das nicht besser verwertet?

Auf jeden Fall bleiben viel zu viele Fragen unbeantwortet und das Vorgehen der Behörden ist mehr als fraglich.

16.10.2018

 


 

Zampanoo Sadkowsky strikes again/ Tausendsassa Sadkowsky legt nach

 

Es gibt wenige Künstler, die derart absolut ihre Kunst leben, so dass ihr Leben  zum Gesamtkunstwerk wird. Alex Sadkowsky, bald 85, schreibt und malt jeden Tag, hat dieses Jahr eine Novelle (Die Umwandlung) und eine Sammlung Gedichte (Einziger Lockruf) publiziert. Er legt erneut ein wundersames Buch vor oder besser zwei Bücher in einem, von hinten und von vorn zu lesen. Zahlenverdruss führte ihn zur Idee, alle Zahlen umzubenennen. Jede Zuordnung von Buchstaben/ Silben/Wörtern zu Dingen ist bekanntlich letzten Endes willkürlich. Diese Tatsache macht sich der Novellist zu Nutze und kreiert so eine seltsame Novelle— Darstellung einer unerhörten Begebenheit—die des Umbenennens von allen Zahlen. In poetischer Weise werden in diesem Text die Bezeichnungen für Zahlen neu verteilt, durch Namen von Musikinstrumenten ersetzt und mit Elementen einer künstlerischen Weltsicht neu definiert. Seine Gesprächspartnerin ist ein junges Ding, welches noch eine Zahnspange hat, die Idee des Erzählers frisch und munter aufgreift und ihrerseits keck ihre eigenen Zahlennamen erfindet.       Zahlen als kalte Agenten, als Problem, als letztlich anti-human, werden vom Erzähler, der auch ein genialer Saxofon-Spieler ist, als quälend, als menschenverachtend, als kunstfeindlich verstanden. Durch die Poetisierung der Namengebung gelingt es, eine freundlichere, wärmere, kunstfördernde Atmosphäre zu schaffen, ja wir können noch weiter gehen, es ist ein eigentlicher künstlerischer Schöpfungsakt einer Welt, in der Aesthetik, Kunstsinn, Poesie, Musikalität und Malerei an Stelle der Zahlenhuberei, des Zahlenschwindels und Zahlenverdrusses das Leben ausmachen. Es ist auch bei diesem Text wieder die Frage zu stellen, ob dessen Inhalte nicht auch als gemaltes Bild daher kommen könnten. Sadkowsky wäre dies durchaus zuzutrauen, sagen wir auf einem Bild,  das so gross ist wie gewisse iPhone-Werbungen an zu renovierenden Zürcher Gebäuden. Womit wir beim Lokalkolorit sind; es ist in diesem Text—etwas durchsichtig—die nähere Umgebung der Wohnung, in der er in Zürich lebt. Das enzyklopädische Vorgehen ist für den Maestro eine Möglichkeit, Parallelwelten darzustellen oder mindestens auf solche hinzuweisen. Die Umwandlung aller Zahlen in Poesie, die Metaphern-Inflation, meint auch die Umwandlung von Malerei in Prosa oder Poesie und umgekehrt, die Sadkowsky wie kaum einer beherrscht.


Der Erzähler heisst Alex (wie der Autor), ist mit Alexandra verheiratet und hat eine längere Affäre mit einer Kindfrau namens Alexandra. Der Autor, der schon verschiedentlich formuliert hat, dass er sich selbst liebe, lebt das auch als Erzähler vor. Natürlich liebt er auch das Saxophonspiel, seine Texte und Malerei bis zum Exzess.
Die Katalogisierung oder Auflistung von Lebewesen oder Sachen ist eine der sadkowskyschen Methoden der Weltbetrachtung. In seinem malerischen Werk gibt es viele grossformatige Bilder, z.B. mit Hundeporträts, die dann auch ein Politiker-Gesicht haben, Canto I - IV mit Menschenköpfen, Womanslips 1 - 5, und viele andere (www.sadkowsky.ch). Es ist des Meisters Versuch, der Welt so näher zu kommen, sie abbildend zu fixieren, seine eigene Alex-Welt aufzubauen und ein Gesamtkunstwerk von immensem Ausmass zu scha
ffen. Ganz ähnlich in seiner Prosa. Die Idee, in der Umwandlung alle Zahlennamen durch Namen von Musikinstrumenten zu ersetzen, können wir in diesem Sinne sehen. Fast fünfhundert Instrumente und Klangquellen bringen Musikalität in die nüchterne Zahlenwelt. Das ist ja auch die Aufgabe der Künste in unserm Alltag. Wenn man diese Prämisse annimmt, dann spricht der Text an, und wir können uns auf das experimentelle Universum von Sadkowskys Sprachspielereien, Wortneuschöpfungen, Gesellschaftskritik, Darstellungen von künstlerischer Befindlichkeit, Ironisierungen und Verspottungen einlassen. Das Durchbeten der Zahlenreihe von eins bis eine Trillion ist in seiner Breite masslos, phantastisch, natürlich auch absurd. Wie aber können die Lesenden so etwas nachvollziehen? Dies gelingt nur, wenn sie sich auf die grosse Erzählkunst Sadkowskys einlassen: Witz, Ironie, Einfallsreichtum, Variationsfülle, eine Prise Autobiografie, Nostalgie, genaue Beobachtung, Spiel mit Tabus und vielleicht am wichtigsten: die meisterhafte Vermeidung von Monotonie durch sprudelnde Fantasie und Fabulierkunst. Es ist auch die synaesthetisch-osmotische Wechselbeziehung zwischen Mal- und Erzählwerk, welche die Novelle zum Lesegenuss macht.

 

24.9.2018

 


 

Flüchtlinge

Wer noch ein menschliches Herz in sich ticken hat, dem kann es nicht gleichgültig sein, was auf der Welt passiert. Das Schicksal auf der Flucht zu sein ist für alle Betroffenen gleich schlimm, die Aufnahme oder das Weggewiesen werden in einem neuen möglichen Lebensraum aber sicher sehr verschieden.

Unser Land hat in einem ungünstigen Moment des politischen Meinungsbildungs-prozesses vorschnell und egoistisch die Zuwanderungsbegrenzungsinitiative angenommen (Uns geht es gut, wenn da andere kommen, ändert sich das vielleicht). Heute wo täglich in Europa Hunderte oder Tausende Zuflucht suchen wird nun den meisten klar, dass Mauern, Zäune oder Volksinitiativen nicht die richtigen Wege sein können, um das Problem zu lösen.

Die EU hat lange diskutiert, Quoten für die Zuwanderung festgelegt und festgestellt, dass es auch so nicht geht, weil sich einige (oder die meisten?) Länder nicht daran halten wollen.
Schon in den neunziger Jahren gab es eine Bewegung, die Flüchtlingen (illegal) Asyl gewährte. Mir ist jemand bekannt, der einen jungen Kurden und eine libanesische Familie für eine kurze Zeit bei sich aufnahm. Man musste sich verpflichten, im Krankheitsfall für mehr als zwanzigtausend Franken Pflegekosten aufzukommen, das schreckte viele ab. Heute gibt es wieder Leute, die privat Flüchtlinge aufnehmen möchten. Die Schwierigkeiten bleiben die gleichen.

In der Zeit vor den Wahlen hatten die Schweizer Parteien natürlich ganz verschiedene Ideen, wie das unbequeme Thema zu umgehen oder zu verschleiern sei. Die bürgerlichen Parteien sind plötzlich eines ihrer „heissen“ Wahlkampfthemen beraubt und beharren auf ihrem Mauerdenken, reden weiter vom vollen Boot, aber auch diese Metapher ist ins Schlingern geraten, da wir dafür nunmehr ein reales Bild vor Augen haben, die Not Leidenden das Mittelmeer in untauglichen Booten das Mittelmeer überqueren und entweder ertrinken oder auf Lampedusa oder Lesbos stranden sehen.

Es gibt weltweit und in Europa so viele Flüchtlinge wie nie zuvor. Ein Aspekt wird in der Diskussion oft verschwiegen: Flüchtlinge sind nicht nur für Schlepper ein Geschäft. Auch andere haben gemerkt, dass sich mit Flüchtenden Geschäfte machen lassen. Und sie tun dies kalt, herzlos, kapitalistisch. Unser Land kauft Dienstleistungen in Millionenhöhe ein, die Operierenden schneiden sich ein dickes Stück davon ab und profitieren auf Kosten von Geschundenen, Entwurzelten, Verzweifelten.

Die Tagespauschale pro Flüchtling beträgt CHF 14.— Damit kann er/sie sich ein billiges Mittagsmenu, ein T-Shirt oder drei Getränke kaufen.
Die Schweiz wurde bisher noch nicht von Flüchtlingsströmen überrannt, das könnte sich aber ändern. Mit stark bürgerlich dominierten Räten ist die Prognose für die so genannte humane Schweiz ungünstig. Parteien, die sich im Wahlkampf mit markigen Sprüchen zum Zuwanderungsstopp vernehmen liessen, haben selbstverständlich keine Vision, wie mit dem Problem umzugehen sei, ausser die Grenzen notfalls durch die Armee zu schützen, was bereits einmal durchgeplant wurde, aber zeigte, dass auch dieses Mittel wohl untauglich sein würde.

Eines ist sicher, weder Deutschland, noch die EU und auch nicht die kleine Schweiz können alle Fliehenden aufnehmen.
Die „Balkanroute“ endet jetzt vorerst mal in Ungarn, das zuerst den „schwarzen Peter“ über Oesterreich nach Deutschland abschieben liess und dann die Grenzen nach Süden mit einem Zaun abschloss. Es ist noch keine Generation her, da war Ungarn selber durch den Eisernen Vorhang von Europa abgeschnitten. Vor kurzem hat das Land beschlossen, Flüchtlingen keine Nahrungsmittel mehr abzugeben. Die Schweiz hat 1958 200’000 ungarischen Flüchtlinge aufgenommen, zehn Jahre später ebenso 13’000 Flüchtlinge aus Tschechien. Beide Gruppen integrierten sich problemlos in der Schweiz. Heute aber zaudert dieses Land weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Die heutige ungarische Flüchtlings- politik ist vor diesem Hintergrund beschämend.

 

24.9.2018

 


 

Der grosse Camus

Ach so, l’Etranger und La peste ja haben wir in der Schule gelesen. Nun denn, auch diese beiden Romane sind Camus-Meisterwerke. Dann gibt es da noch im öffentlichen Bewusstsein Les Justes und Le premier homme, sein letzter Roman (Fragment). Seine poetische Kurzprosa Noces und l’été gehören zum Besten, was er geschrieben hat.

Die philosophischen Texte L’homme révolté und Le mythe de Sisyphe sind dann aber doch weniger bekannt. Aber gerade hier leistet Camus Unglaubliches: Seine Gedanken über die Absurdität jeglichen Lebens gipfeln z.B, in der doch etwas wagemutigen Behauptung: „Das einzige philosophische Problem, über das es sich lohnt nachzudenken ist der Suizid.“ Dies tut er dann auch immer wieder in L’homme révolté.

Hier finden wir eine eigentliche Geschichte der Revolte und psychologische, ethische und philosophische Fragen dazu. Die Beweggründe von Menschen, die sich auflehnen werden genau analysiert, wobei immer auch etwas Sympathie für diese mutigen, echt aufgebrachten sich mit Todesverachtung auch selber opfernden Menschen durchscheint. Die Revolte im 19. Jahrhundert in Europa ist dann doch ein überwältigendes Thema. Camus hat mit grosser Genauigkeit von Aufständen vor allem in Russland berichtet, ohne die man nicht verstehen kann, wie Lenin seinen Umsturz plante und durchführte.

Wenn schon alles absurd ist, dann ist doch ein Suizid in der Folge eines Attentats kein Schreckgespenst, sondern eine ehrliche Möglichkeit, aus einer ausweglosen Situation zu entkommen. Camus’ Sympathie gehört den Erfolglosen, Gescheiterten, Unterdrückten und Religionslosen. Die Religion, egal welcher Ausprägung, verspricht Entschädigung für die Mühsal auf Erden im Jenseits, was nur ein Mittel der Unterdrückung, Verdummung und Irreführung für viele Leute war. Heute ist das Thema Terrorismus in aller Munde. Das Unverständnis ist gross, die Erklärung, dass ein Terrorist seine Belohnung im Jenseits erhalten werde, ist absurd. Bei Camus können wir zu diesem aktuellen Thema Einiges lesen.

Camus zitiert immer wieder Nietzsche, meint, er sei ein Paradebeispiel für einen absurden Schriftsteller, der sein Leben voll lebte und kaum Zeit darauf verwendete, an ein Leben im Jenseits nachzudenken. Auch Kierkegaard ist ein wichtiger Vorläufer, dessen Leben und Werk absurde Züge trägt. Dostoievski ist ein weiterer Meister, der die Absurdität der menschlichen Existenz immer wieder thematisiert hat. Interessanterweise zählt Camus Kafka nicht zu den absurden Autoren, da er eben die Hoffnung nicht aufgebe, im Prozess Gerechtigkeit zu finden und im Schloss göttliche Gnade.

Die Absurdität wird immer wieder definiert. In einem grösseren Kontext geht es um die Sinnfrage des Lebens. Wo kein Sinn mehr ersichtlich ist, kann ein mögliches Ende selbst herbeigeführt werden. Wer das aber nicht will oder noch nicht kann, lebt ein doppelt absurdes Leben. Da er aber illusions- und furchtlos existiert, kann er sich an die diesseitigen Freuden des Lebens klammern, und zwar ohne Schuldgefühle oder Rücksicht auf andere. „Cette épaisseur et cette étrangeté du monde, c’est l’absurde.“ Oder „L’absurde, c’est le péché sans Dieu.“

„Der Körper, die Zärtlichkeit, die Kreativität, die Tat, die menschliche Noblesse werden in einem absurden Kontext ihren Platz einnehmen. Dort findet der Mensch endlich den Wein des Absurden und das Brot der Gleichgültigkeit, woraus er seine Grösse nährt.“
Der absurde Mensch (Camus gibt dafür als Beispiel die Don Juan-Legende) verausgabt sich völlig und erschöpft alle Mittel in einer extremen einsamen Anspannung. Sein Leben, seine Auflehnung (gegen die Mächtigen), seine Freiheit spüren heisst so intensiv wie möglich leben.

Der Sisyphus-Mythos erlebt bei Camus eine Neu-Interpretation und es heisst da: „Wir müssen uns Sisyphus als glücklichen Menschen vorstellen.“ In seiner Opposition zu den Göttern ist er frei, seine Arbeit nicht nur als Strafe, sondern auch als Lebensinhalt und Sinn zu sehen, was im metaphysischen Bereich ja eben nicht vorhanden ist.

 

rw, 3.6.2018

 


 

Die eventuelle Planbarkeit des Glücks
Markus Bundi Planglück Kloepfer und Meyer Tübingen 2017

Der Mensch plant und das Schicksal lenkt. Der schopenhauersche Gedanke, dass das Glück eine Weltmacht sei, und am meisten vermöge ist an sich schon bedenkenswert, aber planbar ist die Chose letzten Endes halt doch nicht. Bundis Kurzprosa besticht durch seine Bearbeitung von aktuellen und ewig gültigen Themen. Seine humorvollen, stark verdichteten, satirischen, skeptischen und oft parabelhaften Texte sind ein wahrer Lesegenuss.
Die Titelgeschichte beschreibt eine Männerfreundschaft, wie dies ebenso in anderen Texten zum Thema wird. Don Francesco (wohl ein Uebername für Franz) ist phänomenal reich, Neurochirurg, ein besessener Selbstoptimierer und geht auf sein Lebensende zu. Er bittet dann den Erzähler für ihn etwas Glück zu planen und überweist ihm im Voraus Hunderttausend, was jener auch als Spass oder Veräppelung verstehen könnte. Erzähler und Glücksbesteller Francesco hatten schon immer ein freundschaftliches, wohl auch wettbewerbsorientiertes Verhältnis seit ihrer Maturazeit und neckten einander wo es nur ging. 
„Es gibt kein Rezept für das persönliche Glück“, „Leben ist nur eine Leihgabe“, „Ohne die anderen bleibt das Glück unauffindbar“ sind wertvolle Hinweise für Glück Planende.
Für das bereits bezahlte Geld schreibt der Erzähler dem Glückssuchenden einen Brief, den er an mehreren Tagen entwirft und versucht trotzdem, etwas Glück zu planen, denkt an Klonung, Kryonik, Kopfverpflanzung in frankensteinscher Manier, oder dann die Planung des Glücks für kommende Generationen, indem nur noch Zwillinge auf die Welt kommen sollen. Diese würden dann übermenschlich viel arbeiten, den einen oder anderen Coup landen, sich sogar in der Ehe zu viert vertreten können und so weiter… Zu guter Letzt, wohl wissend, dass alle gut gemeinten Vorschläge doch nichts nützen werden, schlägt der Erzähler dem Lebensmüden ein Treffen vor; wie gewohnt könnten sie dann einen Streit vom Zaun reissen, sich in die Augen schauen und vielleicht in ein Gelächter ausbrechen—und das wäre doch bereits viel Glück. 
Im zweiten Text wird schon das Thema des trügerischen Glücksversprechens durch Reichtum behandelt, ein Student erbt von seinem Grossvater als Alleinerbe ein Vermögen. Urban Quantlinger war Erfinder eines Heilmittels namens „Aequinocticum“, das sich aber als Placebo herausstellte. Als Wiederhersteller des Gleichgewichts für die Opfer der allgemeinen Beschleunigung des Lebens, sollte es Tag- und Nachtgleiche wieder herstellen, die Jahreszeiten wieder ins Lot bringen. Uebrigens spielt das Ganze in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts,    ist Utopie und der Enkel versucht durch „Quantelung“ noch viel mehr: „unseren Planeten wieder in die ursprüngliche Umlaufbahn zu bringen“. 
In „Operation Sherwood“ schreibt ein Pennäler einen „verstörenden Aufsatz“ zum Thema Altruismus. Auch da ist wieder ein Glücksritter am Werk, der Erzähler erbt von seinem Grossvater eine riesige Briefmarkensammlung und andere Kollektionen. Freund Jeremy aber macht Karriere, arbeitet für eine internationale Consulting-Firma und ist beteiligt an der Sprengung der trumpschen Mexiko-Mauern und anderer Mauersysteme in Europa, in der Westsahara (warum nicht in Israel?). Als moderner Robin Hood—eben Altruist—setzte er sich für die Armen ein und erfüllt das gestellte Thema sowohl im Aufsatz als auch in der Realität. Witzig: die Kommentare und Randnotizen von Lehrer Bingesser dazu. 
Das Thema des (erhofften) Reichtums taucht nochmals in der Geschichte „Die Lücke“ auf. Ein Schankwirt (Albert) führt sein Lokal auf besondere Weise, hat aber schon 2000 das Gefühl, aus dem erwarteten Datenchaos auf den Computern Kapital schlagen zu können, was aber misslingt. Kein Chaos, kein Geschäft. Später verschwindet er mit drei von seinen Stammgästen nach Uebersee und soll in New York wieder eine Kneipe  eröffnet haben. Sein finanzieller Erfolg stammt aus Verkäufen von on-line Daten, ausser der Ortsveränderung verändert sich hingegen gar nichts.
In kürzeren Texten porträtiert Bundi Berufsleute, einen Postbeamten, einen Kehrichtsammler, einen Hochdruckreiniger, die Arbeitswelt scheint auf den Autor eine gewisse Faszination auszuüben. Dann aber doch auch wieder nicht—die Pensionierung als Zustand eines kleinen Glücks dann jedoch umso mehr. Ueber meine Lieblingsgeschichte („Eiszeit“) sage ich nichts, ausser dass hier erzählerische Meisterschaft sichtbar wird.

27.5.2018


 

I was/am a professional liker

On a great Facebook portal I used to communicate with poets of German-speaking countriesand I liked as much as I could their texts—ok, they were not always masterpieces… I hardly ever posted a text of my own cooking/brewing. Of course   I became popular with a lot of people when I marked thumbs up, whereas others absolutely hated me for overlooking their contributions. Being diagnosed with a burn-out recently I decided to stop all this and concentrate on leading a life less hectic and more filled with philosophical thinking.
But I also reflect on the pose of a liker, one could almost say lover for the best texts and things in life and what this reveals about myself or others. Of course everybody likes being liked! Compliments are a great way of winning the hearts of others, how sincere they are does not always matter. Plus you feel good as a generous donor!
It was then a small step to consider what I like best in life. My wife, her poetry, her almost vegetarian home-cooking, our house and garden—of course I love all that! Plus my son’s family with two grandchildren. I am also a great liker when it comes to art, e.g. Alex Sadkowsky and so many different styles of music, lately mostly from baroque composers.
At my age it is not sensible or possible to experience great adventure any longer, daring exploits, some success, which I liked when I was younger. A great field of liking opens up when I consider the literatures I have studied and am still cherishing--some authors had so much influence on me: Nabokov most and foremost, then Nietzsche, Camus, Beckett, and many American novelists who are absolutely brilliant.
Things that are not totally at the core of my most coveted things, but are still very nice, include jogging and cycling, cross-country skiing, gardening and socializing.     I also used to enjoy political debates and being engaged for the poor in this world. Being a humanist I feel I can learn from the others how to run a life, to enjoy things, to bear pain and to get on with it.


27.4.2018

 


 

Autoren-Streik/weiter Blog schreiben?

 

Schon klar, bei dieser Vereinzelung und der chronischen Nicht-Engagiertheit der Schreibenden ist es ein Leichtes, sich so was vorzustellen: Wir Schreibenden haben genug geschrieben, überzeugendes Neues entsteht nur noch selten, es wird immer schwieriger, Texte zu schreiben, die begeistern, sie zu publizieren, schon fast ein Ding der Unmöglichkeit: sie zu verkaufen!. Also Streik! Nein, nein, ich publiziere nichts mehr! Es hat von allem schon zu viel! Es gibt zu viele Schreibende, zu wenige echt Lesende! Wenn schon Agenturjournalisten streiken, dann erkläre ich uns anderen Schreibende für solidarisch! Journalisten werden entlassen, der Niedergang der Lesemedien setzt sich fort. 

Neulich gesehen: Es gibt Hunderte von Blogs mit dem Thema Literatur/Bücher. Zu jedem denkbaren Thema gibt es Blogs. Einige sind echt kunstig, literarisch, philosophisch, andere banal, langweilig, hohl. Die Aufbruchstimmung ist schon wieder etwas vorbei, trotzdem eiern da Hunderte Blogs auf dem Internet, alles lesen ist ganz und gar unmöglich, aber auch nicht nötig! 

Lieber würde ich die Werke von ein paar Freundinnen und Freunden on-line verlegen als meinen eigenen Senf dazu geben! Ich habe begonnen Comedy-Programme zu schreiben, wohl wissend, dass das eigentlich vorgetragen werden sollte… Schon mal Comedy gelesen? Nein, gibt’s nicht!

Ich melde hiermit das geistige Eigentum an dieser Idee an. Dass dabei alte Blogposts hilfreich sind, das können Sie mir ruhig glauben!

Das Ganze heisst dann „Nestpuzzer“ und ist eine Fortsetzung meiner Blogarbeit (früher "Nestputzer") mit anderen Vorzeichen und dem gleichen Publikum: ein paar Freunde, die meine Texte lesen mögen.

 

11.2.2018

 


 

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